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THE LOCAL CONNECTION

Aktualisiert: Aug 26

ART MEETS STREETWEAR


Bei unserem vierten THE LOCAL CONNECTION Shooting, in dem wir Münchner Brands, Persönlichkeiten und Locations vereinen, stand die Kunst ganz im Vordergrund. Mit den beiden Künstlern ANA SARAIVA UND FERDI SCHLADIZ sowie den cleanen Looks des Münchner Streetwear Labels A KIND OF GUISE entstand in den FRAUNBERG ATELIERS eine spannende Mischung aus Fashion und Art. Und wie das so oft in München ist haben ANA und FERDI in den FRAUNBERG ATELIERS Freunde und Kommilitonen getroffen. Ein Zusammentreffen an einem Ort der Kunst und Kultur, der leider schon bald seine Türen schließen wird.





FRAUNBERG ATELIERS


Als wir den Atelierbetreiber Tobias Sehr anfragten, ob wir in den FRAUNBERG ATELIERS unser nächstes THE LOCAL CONNECTION Shooting fotografieren dürfen, war seine Antwort kurz aber auch sehr sympathisch. „Ja, kommt‘s halt vorbei.“ Sympathisch war auch das Aufeinandertreffen in den FRAUNBERG ATELIERS, die sich in Thalkirchen in der Fraunbergstraße 4 und Schäftlarnstraße 178 befinden. In einer kleinen Führung durch die Atelierräume erzählte uns Tobias die Geschichte zur Immobilie. Die in den 50iger Jahren gebauten Betriebsgebäude wurden zur Weltkriegszeit als Druckerei genutzt. Später wurden hier Koffer und zuletzt Markisen hergestellt. Dies war auch als wir das Nebengebäude betraten an den Stoffmustern, die immer noch an der Wand hängen, zu sehen.





Fast ein Jahrzehnt wurde das Gelände in Top-Lage nicht genutzt. Bis die FRAUNBERG ATELIERS jedoch Einzug erhielten vergingen mehrere Jahre. Um eine befristete Nutzungsüberlassung hatten sich viele bemüht. So auch der Künstler Markus Henning alias Eliot the Super, der bereits im Mai 2017 eine kulturelle Zwischennutzung bei der Stadt beantragte. Gemeinsam mit dem gelernten Architekten und Immobilienentwickler Tobias Sehr konnten sie letztlich die städtischen Behörden überzeugen.


Seit Oktober 2019 haben Künstler wie Sebastian Wandl, Josephine Kaiser und Markus Henning nach langer Suche ihre Ateliers in den Räumlichkeiten bezogen. Wie eine Zwischennutzung schon im Wort verrät, war bereits schon vor Einzug klar, dass das Hauptgebäude nur bis Ende 2020 genutzt werden darf. Das Nebengebäude durfte Tobias Sehr bis Juni 2020 für Studenten der Kunstakademie vermieten. Gehofft hatte er allerdings, dass er die Ateliers länger betreiben kann, nachdem die Abrissarbeiten für den Bau von Wohnungen, Seniorenheim und Kita nach Angaben von Tobais Sehr nicht vor 2022 beginnen.


Das Künstlerkollektiv hat zudem noch einiges vor: Ausstellungen, Nachbarschaftsfeste, Auftritte von Musikern. „Ein offenes Haus für die Nachbarschaft und anderen Organisationen – ein Ort für Kunst und Kultur“ erzählt uns Tobias und Eliot. Natürlich neben dem Hauptinteresse junge und erfahrene Künstler zusammen zu bringen. „Das sind ganz junge Künstler, die gerade ihre Mappe erstellen oder an der Akademie studieren und etablierte Künstler, die ihr Wissen an die jüngeren weitergeben können.“

@fraunberg_ateliers

ANA SARAIVA



„Von Etwas getrieben sein, das dich jeden Tag aufstehen lässt“ – ist für ANA besonders in der aktuellen Zeit wichtig.

Die 26-jährige aus Brasilien stammende Künstlerin ist gelernte Holzbildhauerin. Die Wahl für einen fast aussterbenden Beruf traf sie damals, da es ihr besonders wichtig war, die Basics einer klassischen Handwerkskunst zu erlernen. Mittlerweile hat ANA ihr Gebiet auf die Malerei erweitert. „Ich hatte eigentlich schon immer einen Stift in der Hand und irgendwann habe ich einfach nicht mehr aufgehört zu malen.“


Nachdem sie unter anderem Ateliers im Container Collective und The Stu hatte, entschied sie sich 2018 Malerei an der Kunstakademie zu studieren. Die Entscheidung war vor allem durch das Bedürfnis geprägt, gemeinsam mit anderen Menschen in einem Raum zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Während des Studiums wurde ANA ihre Haltung zur Kunst immer wichtiger. Die Zeit im Lock- Down hat sie daher auch für sich genutzt. „Wir waren alle zum äußerlichen Stillstand gezwungen.“ ANA hat sich gegen diesen Stillstand nicht gewehrt und versucht alte Muster zu brechen. „Durch den Stillstand sah ich die Möglichkeit meine bisherige Arbeit zu hinterfragen, zu zerlegen und neu zu definieren. Mein Blick nach innen und somit auch nach außen wurde dadurch sensibler und schärfer.“


Erst kurz vor dem Lock-Down hat ANA zehn Tage in Frankreich in absoluter Isolation verbracht, um zu schweigen. „Ich hatte zu niemandem Kontakt, keinen Augenkontakt und es befinden sich keine Spiegel in den Räumen. Es werden keine Gewürze in den Mahlzweiten verwendet und ich meditierte zwischen sieben und zehn Stunden jeden Tag. Man geht über seine körperliche Beeinträchtigung hinaus und fragst sich – warum bin ich hier?“ Ihre Kunst wurde dadurch freier und abstrakter.


Dass wir ausgerechnet ANA für das Shooting gemeinsam mit A KIND OF GUISE angefragt haben, ist kein Zufall. ANA stand bereits für zahlreiche Shootings unter anderem für French Connection oder H&M vor der Kamera. Das Modeln verfolgt sie in letzter Zeit nicht mehr. „Ich möchte im Moment, das was mich antreibt für mich sprechen lassen. In der Kunst ist es egal wie man aussieht. Als Model nicht.“ Wir freuen uns daher umso mehr, dass sie als Künstlerin Teil des THE LOCAL CONNECTION Shootings ist.


@anisaraiva


A KIND OF GUISE



Das Münchner Modelabel A Kind of Guise wurde 2009 von den damaligen Modestudenten Susi Streich und Yasar Ceviker gegründet. Alles begann mit einem Campingurlaub am Gardasee. Aus Lederresten, die sie im Vorbeifahren entdeckten, fertigten sie eine Reisetasche. Mit dem Verkauf dieser finanzierten sie ihr nächstes Projekt. Im USA Urlaub bezogen sie Indianerbordüren, die sie auf Gürtel steppten, dazu haben sie in einer Strickwerkstatt schlichter Unisex-Oversize-Pullover in Auftrag gegeben. Die handgenähten Teile verkauften sie in einer kleinen Boutique eines Freundes.


Wenige Wochen später kontaktierte sie der Einkäufer des dänischen Kreativlabels Wood Wood. Schon in der nächsten Saison konnten sie auf deren Ladenfläche während der Berliner Modewoche ihre erste Kollektion, bestehend aus 14 Herren-Looks, präsentieren. Kurz nach der Präsentation in Berlin fragte eine renommierte Agentur, ob sie das junge Label exklusiv in Japan vertreten dürfe. Obwohl die beiden damals noch nicht einmal eine Produktionsstätte in Aussicht hatten, nahmen sie die Anfrage an.


An diesem Punkt jedoch unterscheidet sich die Erfolgsgeschichte von vielen anderen. Yasar Ceviker und Susi Streich entschieden sich damals bewusst für eine Produktion in Deutschland und gegen eine preisgünstigen Produktionsstätte in Fernost. Nach anfänglichen Lieferengpässen haben sie es geschafft, die Bestellung aus Japan auszuliefern. Heute kann A KIND OF GUISE auf ein vielseitiges Netz an Produktionsstätten in Deutschland zurückgreifen. Yasar Ceviker und Susi Streich haben so bewiesen, dass Mode aus Deutschland und coole Streetwear kein Widerspruch sein muss.


„Unser Label ist auf einer Reise entstanden – deswegen haben wir das Thema beibehalten.“ Die verwendeten Materialien stammen so entweder am besten aus Deutschland oder dem Land der aktuellen Inspiration. Die zwei Kollektionen, die pro Jahr entstehen, verkauft A KIND OF GUISE im eignen Laden in München und seit 2015 auch in einem weiteren Landen in Berlin sowie über den eigenen Webshop.


@akindofguisewww.akindofguise.com


Inhalte des Textes stammen teilweise aus dem 2018 veröffentlichten Interview von Susi Streich und Yasar Ceviker mit der ICON (Welt am Sonntag)

https://www.welt.de/icon/maenner/article176811106/A-Kind-of-Guise-Coole-Streetwear-aus-Deutschland-Das-geht.html



FERDI SCHLADIZ



Ist Künstler, Model und Schauspieler. Bereits mit 17 wurde er von der Fotografin Milena Wojahn auf einer Party entdeckt. Wenige Tage später trafen sich die beiden in derselben Location wieder – nur diesmal wurde nicht gefeiert, sondern fotografiert. Kurz darauf wurde die Strecke von Boys by Girls, einem britischen Mode- und Fotografie Magazin, veröffentlicht. Dabei entspricht FERDI nicht den klassischen Männermodel Idealen, wie man sie sonst kennt. Es ist vielmehr sein Typ, der sehr gefragt ist.


Im Gespräch mit FERDI wurde uns schnell klar, dass er nicht nur optisch ein besonderer Typ ist. Ganz schwarz gekleidet und mit einer sehr markanten, schwarzen Sonnenbrille sitzt er uns im Garten der FRAUNBERG ATELIERS gegenüber und erzählt uns, dass er eine Studienplatz Absage für bildende Kunst erhielt. Der 21-jährige vermittelt uns dabei den Eindruck, dass er genau weiß, dass sich jetzt auch wieder alles fügen wird. Ganz nach seinem Motto – go witht the flow. „Aus jeder Absage hat sich auch wieder eine Tür geöffnet.“ So hat er sich jetzt für ein Kommunikationsdesign Studium an der Design Hochschule in München beworben.


Aktuell nutzt FERDI seine Zeit um sich verstärkt mit der Kunst auseinander zusetzten. Im März hatte er seine erste Ausstellung im Studio CNP von Christoph Schaller. CMYK – die Farben des Kommerzes. Die Inspiration sind die Druckfarben Cyan, Magenta, Yellow und Black (Key). „Ich konnte dort auch etwas verkaufen und die Einnahmen haben genau für die Zeit gereicht.“ Weidereinmal scheint sich alles zu fügen und aufzugehen.


Auch als Schauspieler ist FERDI bei einer People Agentur für Schauspiel und Kleindarsteller vertreten. Letztes Jahr hatte er eine Rolle im Kurzspielfilm „no fear“ von Kristina Lipatov gespielt. „Ich mag es, mit kreativen Leuten zusammenzuarbeiten und kreative Dinge entstehen zu lassen. So lernt man neue Menschen und neue Szenen kennen.“ Instagram Spielt hierbei für FERDI eine wichtige Rolle. Er sieht die social Media App als digitales Portfolio. So hat er auch verschiedene Accounts. Privat, als Model und für seine Kunst.

Wir sind gespannt welches Projekt FERDI als nächstes verfolgen wird. Vielleicht auch in einer anderen Stadt. Der gebürtige Münchner schätz aber auch die Vorteile der bayrischen Hauptstadt. „Hier lässt es sich gut Netzwerken. Das kann einerseits Fluch aber auch Segen zu gleich sein.“ Schade findet er nur, dass die Subkulturen, wie man sie sonst auch aus Berlin kennt, es sehr schwer haben oder sogar wieder verschwinden – wie hier die FRAUNBERG ATELIERS.


@ferdi.schdz



Ein Text von Elena Reuß



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